Aufbäumen des Establishments – Cruz und Clinton siegen knapp im Iowa Caucus

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Iowa Caucus
Ted Cruz - Gage Skidmore - CC BY-SA 2.0

Race for the White House 42nd  Edition

Der Iowa Caucus war wie immer der Startschuss für die heiße Phase des amerikanischen Vorwahlkampfes. Dieses Jahr konnten Ted Cruz und Hillary Clinton die erste Runde knapp für sich entscheiden und damit den Anti-Establishment-Kandidaten Trump und Sanders mindestens kurzfristig einen Dämpfer verpassen. Doch was bedeutet dieser Sieg wirklich für das Rennen ums Weiße Haus?

Die Republikaner
Wie ich schon in der letzten Ausgabe dieser Serie vorausgesagt habe, hat Ted Cruz den Iowa Caucus gewonnen. Mit fast 28 Prozent der Stimmen konnte der Senator aus Texas die so wichtige erste Vorwahl für sich entscheiden. Mit diesem Sieg verdrängte er den bis dahin alles dominierenden Donald Trump mit 24 Prozent der Stimmen auf den zweiten Platz.

Ted Cruz Plan ist somit aufgegangen, auch wenn der Vorwurf, auch auf schmutzige Tricks nicht verzichtet zu haben, haften bleiben könnte. Er hatte zunächst versucht, Donald Trump und seinen heftigen persönlichen Attacken aus dem Weg zu gehen und die anderen Kandidaten, wie Jeb Bush oder Rand Paul in die direkte Auseinandersetzung mit dem streitlustigen New Yorker gehen zu lassen. Gleichzeitig kämpfte er in Iowa um die erzkonservativen evangelikalen Wähler, die letztlich auch den Ausschlag gegeben haben. Zwar sah zunächst Dr. Ben Carson wie der Favorit dieser entscheidenden Wählergruppe aus, doch die Erfahrung der letzten Jahre zeigte, dass der Stern solcher medial unerfahrenen Kandidaten ohne erhebliche finanzielle Mittel oder Unterstützung der Partei schnell wieder sinken würde. Cruz Strategie war gezielt darauf ausgerichtet, diese Wähler für sich zu gewinnen, sollte Carson abstürzen. Und in der Tat begann mit Carsons Niedergang auch prompt Cruz Aufstieg zum Favoriten in Iowa. Cruz hatte klug und richtig erkannt, dass Trumps eigentliches Problem in Iowa darin bestand, dass er kein echter Konservativer ist, der glaubhaft für deren Werte und Prinzipien eintreten könnte. Als Trump dann auch noch den Fehler beging, die Teilnahme an der letzten Fox News Debatte in Iowa aufgrund einer Fehde mit der Moderatorin Megyn Kelly abzusagen, war der Moment gekommen, Trump ein letztes Mal zu attackieren. Der Vorwurf, Trump stehe letztlich nicht für konservative Werte, sondern für „New York values“, war ein Volltreffer. Trump befand sich schlagartig in der Defensive und musste sich Cruz geschlagen geben

Eine weitere seltsame Episode, von der wir nie genau wissen werden, welche Auswirkung auf das Resultat sie im Endeffekt hatte, spielte sich im Hintergrund der Wahlnacht zwischen den Unterstützern Carsons und Cruz ab. Nachdem CNN gemeldet hatte, dass Carson zurück nach Hause fliegen würde, waren viele fälschlicherweise zu der Überzeugung gekommen, der Chirurg würde seine Kampagne wohl am nächsten Tag aussetzen. Das hatte viele Unterstützer von Cruz dazu veranlasst, die Anhänger Carsons mit dieser Information zu konfrontieren, um sie dazu zu bewegen, sich doch noch für Cruz zu entscheiden.

Cruz entschuldigte sich für das Verhalten seiner Anhänger und betonte, nicht involviert gewesen zu sein, CNN hatte die Nachricht später am Abend aber auch nicht korrigiert. Denn tatsächlich hatte Carson gar nicht vor, seinen Wahlkampf zu beenden. Trump, der seine Niederlage bis dahin mit Haltung angenommen und eingestanden hatte, fordert mittlerweile schon eine Wiederholung der Wahl. Wahrscheinlich wird diese Sache in New Hampshire aber schon nur noch eine untergeordnete Rolle spielen.

Eines steht aber fest: Ted Cruz musste in Iowa siegen, um im Rennen zu bleiben und das hat er getan, auch wenn er mit acht nur einen Delegierten mehr erringen konnte als Trump und Rubio.

Trotzdem ist Trump der große Verlierer des Abends. Auch wenn es knapp war und die Differenz von einem Delegierten selten entscheidend ist, so hatte er doch seinen Wahlkampf darauf aufgebaut, dass er einfach der Gewinner schlechthin sei. Die anderen Kandidaten hingegen seien doch alle nur Verlierer und könnten einem Donald Trump niemals das Wasser reichen. Der Nimbus des ewigen Gewinners hat schon den ersten richtigen Test bei den Vorwahlen nicht bestanden und würde eine Niederlage in New Hampshire sicherlich nicht überstehen. Für ihn gilt für New Hampshire, was für Cruz in Iowa galt: Er muss gewinnen.

Die Sensation des Iowa Caucus hingegen war das Ergebnis von Marco Rubio, der Donald Trump fast noch eingeholt hätte und ebenfalls sieben Delegierte für sich erringen konnte. Eigentlich hatte niemand damit gerechnet, dass ausgerechnet Rubio in Iowa ein so gutes Ergebnis erzielen könnte. Und obwohl er nur den dritten Platz erringen konnte, ist er nun derjenige, der drei realistischen Kandidaten, der mit dem meisten Rückenwind aus dem Iowa Caucus nach New Hampshire zieht.  Eine Entwicklung, die auch die Umfragen schon reflektieren, die den jungen Senator nach einem kräftigen Zuwachs von sechs Prozent in dieser Woche schon auf Platz zwei im Granite State hinter Trump sehen, der wiederum stark an Unterstützung eingebüßt hat.

Nach dem Iowa Caucus sind weiterhin Cruz, Rubio und Trump die einzigen Kandidaten, die eine echte Chance auf die Nominierung der Republikaner haben, Cruz und vor allem Rubio gehen gestärkt aus der ersten Vorwahl hervor, Trump etwas geschwächt, aber weiterhin an der Spitze der Umfragen. Rand Paul, Mike Huckabee und Rick Santorum sind aus dem Rennen ausgeschieden, die übrigen Kandidaten werden ihnen bald folgen müssen. Die finale Entscheidung wird aber frühestens am Super Tuesday getroffen.

Die Demokraten
Als Bernie Sanders behauptete, Geld würde den Ausgang der Wahlen in den USA entscheiden, wusste er wohl noch nicht wie Recht er damit haben würde. Denn tatsächlich war der Ausgang des Caucus der Demokraten so knapp, dass in einigen Bezirken der Münzwurf über den Ausgang der Wahl entschied. Clinton schlug den Außenseiter aus Vermont am Ende nur knapp mit 49,9 Prozent gegenüber 49,6 Prozent und konnte mit 23 Delegierten auch nur zwei mehr erringen als Sanders.

Dieser nur sehr knappe Sieg, den viele Wähler auch eher als einen Sieg für Sanders werten, ist ein echtes Problem für die ehemalige First Lady, denn in New Hampshire lag Sanders bereits vor dem Iowa Caucus robust vorne. Wie auch schon bei den Republikanern spielt auch bei den Demokraten der Rückenwind in den Vorwahlen eine besondere Rolle. Hätte Clinton Iowa eindeutig gewonnen, hätte sie mit viel Rückenwind nach New Hampshire weiterziehen und Sanders eventuell noch gefährlich werden können. Nun hat Sanders den Vorteil und liegt mit knapp 56 Prozent der Stimmen schon fast 17 Prozent vor Clinton. Als Reaktion darauf wird Clinton wohl erhebliche Ressourcen auf die übernächsten Vorwahlen in Nevada und South Carolina verschieben müssen.

Die meisten Beobachter gehen weiterhin davon aus, dass Clinton aller Voraussicht nach die Nominierung erhalten wird, da sie vor allem bei den besonders für die Demokraten so wichtigen Minderheitswählern wesentlich besser abschneidet als Sanders. Doch auch das muss nicht zwangsläufig stimmen, denn Clinton scheint schlichtweg eine sehr schlechte Wahlkämpferin zu sein. 2008 konnte sie einen quasi unbekannten schwarzen jungen Senator in den Vorwahlen nicht schlagen und 2016 setzt sie sich nur mit Ach und Krach gegen einen 74-jährigen durch, der zu Beginn des vergangenen Jahres noch nicht mal ein echter Demokrat war und scheinbar keinen Kamm besitzt. Dieses Mal hat sie zumindest nicht direkt schon in Iowa verloren, wie 2008 gegen Obama.

Sollte sie die Nominierung dieses Jahr dann tatsächlich erhalten, so wäre diese generelle Antipathie der Bevölkerung aber nur dann ein Nachteil, wenn die Republikaner Rubio ins Rennen schicken würden. Denn die Amerikaner wählen in ihrem Zweiparteiensystem häufig eher gegen einen Kandidaten als für einen und es gibt kaum einen Zweifel, dass Cruz und Trump von vielen Amerikanern auch in den eigenen Reihen mindestens genau so sehr gehasst werden wie Clinton.

Über den Autor

*1988, Betriebswirt, Schwerpunkte: USA, Wirtschaft & Politik


1 Kommentar

  1. MARV

    Die Adelung von Ted Cruz zum „Vertreter“ des Establishments im Artikel ist eine 180Grad-Wende zum Beitrag „Vor dem Iowa Caucus – Trump, Cruz und Rubio vs. Sanders und Clinton“. Da repraesentierte der erzkonservative und religioese Texaner noch inhaltlich viele Werte und Ziele der Tea Party Bewegung – so schnell geht es und der Junge aus der Provinz wird zum WDC-Schosshuendchen. Rubio war im alten Beitrag Parteiestablishment und Trump (im gleichen Atemzug nun mit Sanders genannt!) wird vom Populisten zum Anti-Establishment-Kandidaten. Zur Erinnerung: Cruz und Carson waren am 15. Dec 2015 noch Anti-Establishment-Kandidaten auf dieser Seite. Trump zwar auch – aber kein richtiger, weil er den Rest der Story Rechtspopulist war. Nun ja Flip-Flops gehoeren zu den US-Wahlen…

    ZITAT: „Dieses Jahr konnten Ted Cruz und Hillary Clinton die erste Runde knapp für sich entscheiden…“
    Nicht alles was hinkt ist bekanntlich ein Vergleich: Aber abgesehen von mehr als Faktor 10 war das Rennen beim Renterduell aehnlich knapp wie auf der anderen Seite. Da haben die beiden Grosseltern Glueck gehabt, dass No. 3 abgeschlagen war.

    Dr. Carson ist sicher (im bedingten Masse) medial unerfahren und das GOP-Establishments unterstuetzt ihn nicht, aber von „ohne erhebliche finanzielle Mittel“ kann man nicht reden.

    Und kein Wort zum Versagen des wahren Vertreter des Parteiestablishments… Schade!

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