Vor dem Iowa Caucus – Trump, Cruz und Rubio vs. Sanders und Clinton

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New Year's Eve in Iowa - TumblingRun - CC BY-ND 2.0

Race for the White House 41st Edition

Wie immer, ist man kurz vor dem eigentlichen Beginn der Vorwahlen überrascht, wie lange der amerikanische Wahlkampf jetzt schon andauert, obwohl trotz zahlreicher TV-Debatten und vieler Wahlkampveranstaltungen noch keine einzige Stimme ausgezählt wurde und es beschleicht einen das seltsame Gefühl, dass vielleicht trotz Trump alles irgendwie doch beim Alten geblieben ist.

Auch 2016 bleibt den Bewohnern des kleinen ländlichen Staates Iowa das Privileg vorbehalten, die erste offizielle Vorwahlentscheidung zu treffen.

Die Republikaner
Der Iowa Caucus spielte schon immer eine besondere Rolle im amerikanischen Wahlsystem, vor allem für die Republikaner. Die sind zwar vor einem Jahr mit fast zwanzig Kandidaten in den Vorwahlkampf gestartet, wobei sich viele fragten, wie bei einer solchen Anzahl von Kandidaten überhaupt relevante Ergebnisse in den Vorwahlen zustande kommen sollten, aber wie immer hat sich das Feld kurz vor dem Iowa Caucus erheblich gelichtet. Auch, wenn fast alle Kandidaten offiziell noch im Rennen sind, so konzentriert sich das Rennen de facto auf drei Kandidaten.

Die Nominierung wird entweder auf Ted Cruz, den erzkonservativen, religiösen Texaner, der inhaltlich viele Werte und Ziele der Tea Party Bewegung repräsentiert oder auf Marco Rubio, den kubanisch-amerikanischen jungen Hoffnungsträger der Republikaner, der aber auch für das Parteiestablishment und die strategische Öffnung der Partei für die Hispanics steht oder auf Donald Trump, den Populisten entfallen, der die Wähler vertritt, die einfach mit dem Status Quo des amerikanischen politischen Systems abgeschlossen haben und einen Kandidaten wählen wollen, von dem sie hoffen, dass er alles anders macht.

Nur diese drei stehen in den Umfragen stabil über zehn Prozent und einer dieser drei Kandidaten wird definitiv die Nominierung erhalten. Alle anderen können höchstens noch darauf hoffen, dass man sie bittet, als Vizepräsident zur Verfügung zu stehen. Trump führt in den nationalen Umfragen immer noch das Feld mit knapp 35 Prozent an, gefolgt von Cruz mit knapp 20 Prozent und Rubio mit zwölf.

Von den übrigen Kandidaten befinden sich mittlerweile alle, außer Ben Carson unter fünf Prozent in den Umfragen. Der schwarze Neurochirurg hat allerdings seit November, als er in den Umfragen ungefähr gleichauf mit Trump lag, bis jetzt circa 15 Prozent an Unterstützung eingebüßt und seine Werte befinden sich weiterhin im freien Fall.

In den aktuellen Umfragen in Iowa liefern sich Trump und Cruz seit einigen Wochen ein Kopf an Kopf Rennen und schwanken beide um die Marke von 27 Prozent. Rubio liegt in dem für ihn schwierigen Staat bei circa zwölf Prozent. Doch vor allem, da es sich bei den Vorwahlen in Iowa nicht um eine klassische Primary handelt, sind diese Umfragewerte mit Vorsicht zu genießen. Aufgrund des starken Einflusses der evangelikalen Wähler in der republikanischen Partei in Iowa, gehen die meisten Beobachter davon aus, dass Cruz den Iowa Caucus für sich entscheiden wird.

Die Demokraten
Das Feld der Kandidaten hat sich in der demokratischen Partei sogar noch stärker gelichtet als in der GOP und es scheint mittlerweile so, dass die unausweichliche Hillary Clinton doch noch nicht definitiv als Kandidatin der Demokraten feststeht.

Der kauzige Sozialist Sanders, dem anfangs keiner echte Chancen gegen die ehemalige Außenministerin der USA zugetraut hatte, hat sich sowohl in den nationalen Umfragen, aber besonders in Iowa deutlich verbessert und kommt seiner Konkurrentin mittlerweile gefährlich nahe. In New Hampshire, dem zweiten frühen Vorwahlstaat hat der Senator aus Vermont Clinton sogar schon überholt. Das Rennen der Demokraten beginnt also wesentlich spannender, als es die meisten Beobachter vor einem Jahr vermutet hatten.

Es besteht mittlerweile durchaus die ersthafte Möglichkeit, dass die Amerikaner am 08. November 2016 die Auswahl zwischen Bernie Sanders und Donald Trump haben werden. Es zeigt sich, dass die Spaltung der westlichen Gesellschaften zwischen Rechts- und Linkspopulisten, die sich 2015 in Europa verschärft hat, 2016 mit weitreichenden Folgen auch die USA erreichen könnte.

Vorwahlkalender:

Iowa caucus                                       1. Februar

New Hampshire                                              9. Februar

Nevada caucus (D)                          20. Februar

South Carolina (R)                           20. Februar

Nevada caucus (R)                          23. Februar

South Carolina (D)                          27. Februar

Super Tuesday                                 1. März

Über den Autor

*1988, Betriebswirt, Schwerpunkte: USA, Wirtschaft & Politik


1 Kommentar

  1. Ralf

    Bezieht der Autor seine Informationen ausschliesslich aus MSM der USA? Durch das ständige wiederholen „erzkonservative“ Tea-Partie wird diese Bezeichnung nicht richtiger. Richtig ist: die Tea-Party bewegung ist für einen schlanken Staat, für Abbau der ausufernden Staatsverschuldung in den USA und das schon seit Bush Jr. Seitdem hat sich die Verschuldung unter Obama nochmals verdoppelt. Der Hass auf alles „rechte“ und „konservative“, der aus dem Artikel quillt ist unerträglich.

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