Die Handball-WM 2015 war eine Farce!

1
Handball-WM
PSG Handball Team - Doha Stadium Plus Qatar - CC BY-SA 2.0

Sonntagabend kurz vor 19 Uhr konnten wir alle aufatmen. Nicht nur, weil alles bereit war für den Relaunch von Guns and Burgers, sondern auch, weil Frankreich im Finale der Handball-WM die Mannschaft aus Katar knapp besiegt hat. Damit wurde das allergrößte Unheil abgewendet und es gibt noch einen kleinen Lichtblick für den Welthandball.

Dennoch war die Handball-WM 2015 eine Farce! Wir präsentieren euch die fünf Hauptgründe für den Niedergang des Handballsports:

  1. Eine Qualifikation, die ihren Namen nicht verdient. Insgesamt durften nur 24 Nationalmannschaften an der Weltmeisterschaft teilnehmen, es gab aber deutlich mehr Bewerber. Neben den gesetzten Mannschaften aus Spanien (amtierender Weltmeister) und Katar (Gastgeber) kämpften 67 Teilnehmer in Kontinentalgruppenum die verbliebenen 22 Plätze. Deutschland scheiterte bereits in dieser Qualifikation. Alles, was danach folgte, war höchst seltsam.
    Obwohl Australien als Teilnehmer Ozeaniens schon qualifiziert war, schloss der Weltverband IHF das Team von der WM aus, weil der ozeanische Handballverband keine zehn Mitglieder besaß, sodass der Kontinentalverband aberkannt und Australien wieder ausgeladen wurde. Der strahlende Profiteur war das Team aus Deutschland, das, obwohl sportlich nicht qualifiziert, auf Beschluss der IHF eine Wildcard erhielt. Den entsprechenden Paragraphen, der die IHF zu dieser Vorgehensweise ermächtigt, wurde kurz zuvor noch verabschiedet. Der vorher gültigen Regel zu folge wäre stattdessen Island nachgerückt.
    Doch auch die Isländer konnten am Ende des Tages lachen. Da die sportlich qualifizierten Teams aus Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten ihre Teilnahme abgesagt haben, wurden Island und Saudi-Arabien als Nachrücker benannt.


  2. Eine zusammengekaufte Mannschaft aus Katar. Im Fußball gibt es die Regel, dass man nur für ein einziges Land Pflichtspiele absolvieren darf, so dass Wechsel innerhalb von Nationalmannschaften so gut wie ausgeschlossen sind. Es gibt deshalb nur wenige Spieler, die Länderspiele für zwei Nationen absolviert haben, wie den Deutsch-Amerikaner Jermaine Jones, der in drei Freundschaftsspielen für Deutschland auflief und dann, mangels Pflichtspiel, noch zu den USA wechseln konnte. Im Handball ist das anders, denn dort kann man die Nationalmannschaft quasi jederzeit wechseln. Im Falle von Katar handelt es sich um ein kleines Land mit geringer Bevölkerung und folglich auch mit einer nur sehr kleinen Auswahl an Weltklasse-Handballern. Da das Thema “Geld” in Katar allerdings kein Problem darstellt, ist man auf Shopping-Tour gegangen und hat sich ein paar ausländische Top-Spieler eingekauft. Am Ende ist diese Retortenmannschaft auf Platz 2 gelandet, im Finale scheiterten Sie nur knapp an Frankreich.
    Man kann froh sein, dass die Regeln im Fußball anders sind. Man stelle sich mal vor, der Gastgeber Katar würde vor der Fußball-WM 2020 im eigenen Land mal eben Cristiano Ronaldo, Lionel Messi und Manuel Neuer für die eigene Nationalmannschaft einkaufen…


  3. Ein überzogener Medienhype rund um die Deutsche Nationalmannschaft. Man darf mit Fug und Recht behaupten,  dass sich die Deutsche Nationalmannschaft in diesem Jahr auf dem absoluten Tiefpunkt befand. Sportlich nicht für die WM und für Olympia qualifiziert, musste man ganz von vorne anfangen. Die Wildcard kam unverhofft und half dem Team enorm. Ganz anders als erwartet kämpfte man sich unter dem neuen isländischen Trainer Dagur Sigurðsson von Sieg zu Sieg. Endlich ging es wieder aufwärts. Doch was dann folgte, war ein beispielloser Medienhype. Plötzlich wurde die Nationalmannschaft als Anwärter auf den WM-Titel gehandelt – eine völlige Überschätzung der Lage. Man darf davon ausgehen, dass dies die junge Mannschaft sehr unter Druck gesetzt hat. Man scheiterte im Viertelfinale an Katar, verlor dann das Platzierungsspiel gegen Kroatien und konnte sich mit einem abschließenden Sieg gegen Slowenien noch Platz 7 sichern. Aus sportlicher Sicht ein toller Erfolg und ein Ergebnis das viel besser war als erwartet, zumal man durch diese Platzierung plötzlich wieder im Rennen um eines der begehrten Olympia-Tickets ist. Aufgrund des Medienspektakels mutet diese Platzierung aber wie ein Scheitern an, was gegenüber dem zarten Pflänzchen der deutschen Nationalmannschaft aber nicht gerecht ist.

  4. Seltsam agierende Schiedsrichter. Beim Handball haben die Schiedsrichter noch deutlich mehr Einfluss auf das Spiel als beim Fußball. Beispielsweise entscheiden sie, ab wann sie „passives Spiel“ anzeigen. Sorgt eine Mannschaft nach dieser Anzeige nicht möglichst bald für einen Torabschluss, dann wird der Spielzug von den Schiedsrichtern unterbunden. Ab wann „passives Spiel“ angezeigt wird, liegt im Ermessen der beiden Schiedsrichter.
    In so ziemlich jeder Sportart gibt es Unzufriedenheit mit Schiedsrichtern. Diese ist aber nicht zu vergleichen mit der Unzufriedenheit im Handball. Wer erinnert sich nicht an den ehemaligen deutschen Bundestrainer Heiner Brand, der im WM-Halbfinale 2009 mit erhobener Faust auf die Schiedsrichter losging, weil diese das ganze Spiel über eine katastrophale Leistung zeigten und Deutschland 14 Sekunden vor Schluss zwei mal zurückpfiffen ohne die Zeit anzuhalten.
    Auch bei dieser WM gab es erneut große Kritik an den Schiedsrichtern, bis hin zur Vermutung, dass sie nicht unparteiisch pfeifen, insbesondere bei Spielen von Katar.


  5. Ein Weltverband, der sich Korruptionsvorwürfen stellen muss. Der Handball-Weltverband IHF sieht sich vielen Korruptionsvorwürfen ausgesetzt. Das ist bei der FIFA zwar auch so, aber bei der IHF ist es ein ganzes Stück extremer. Dies umfasst nicht nur die Posse rund um die Qualifikation zur WM 2015, sondern viele weitere Vorwürfe, deren Auflistung den Rahmen dieses Artikels sprengen würden.
    So wurden vor Spielen schon erfahrene Schiedsrichter kurzfristig durch völlig unerfahrene ersetzt und die daraus folgenden Spielergebnisse waren höchst seltsam. Der Präsident der IHF Hassan Moustafa sah sich schon dem Vorwurf der Bestechung und Bestechlichkeit ausgesetzt und musste eine Razzia über sich ergehen lassen. Das ganze ging so weit, dass dem Handballsport zeitweise der Ausschluss von den olympischen Spielen drohte.

 

Es bleibt nur zu hoffen, dass sich bald etwas ändert. Da der Fisch meistens vom Kopf stinkt wäre ein neuer IHF-Präsident schon mal ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Über den Autor

*1986, Master of Arts in Versicherungswesen, Führungskraft in einem internationalen Versicherungskonzern, Schwerpunkte: Sport, Lateinamerika & Südeuropa


1 Kommentar

  1. Pingback: Handball: Ein neues Wintermärchen | Guns and Burgers

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.