Suicide Squad – Selbstmordmission: Person des öffentlichen Lebens

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Suicide Squad - Warner Bros. Pictures - DC Comics

Seit etwa zwei Wochen ist nun der aus dem DC-Universum stammende Film Suicide Squad in den deutschen Kinos zu sehen. Nach dem Tod von Superman im vorangegangenen Kinofilm Batman vs. Superman, in dem sich die beiden Helden gegenseitig bekämpfen und erst ganz zum Schluss gemeinsam gegen das größere Übel stellen, braucht die amerikanische Regierung neues Kanonenfutter, um auf übernatürliche Bedrohungen zu reagieren. Statt aber weiter Helden zu verfeuern, will man künftig lieber die “Bösen” in den sicheren Tod schicken. Die Vorteile liegen auf der Hand: genau wie Superhelden haben sie besondere Fähigkeiten, aber im Gegensatz zu Helden sind sie entbehrlich. Also werden ihnen kurzerhand Mikrosprengsätze an der Wirbelsäule implantiert, die sie sofort töten, falls sie sich nicht so verhalten wie gewünscht und in eine Selbstmordmission geschickt, bei der die Aussichten sind, dass sie sterben oder 10 Jahre von ihrer dreifach lebenslänglichen Strafe erlassen bekommen. Das Ende der Geschichte? Viele tote Superschurken, die Welt wurde gerettet und die Bösen sind wieder im Gefängnis. Ende gut alles gut? Und was sagt uns Suicide Squad eigentlich über unsere Gesellschaft?

In vielen Bereichen unserer Gesellschaft sind Suicide Squads längst anerkannte Institutionen. In der ehrenamtlichen Politik z.B. wird man von seinen Mitbürgern für sein Engagement, egal für welche Partei, häufig angefeindet und mit Klischees wie “Politiker sind sowieso nur auf ihren persönlichen Vorteil bedacht” und “Ihr wollt uns eh alle verarschen” belohnt. Man kommt einer der wichtigsten Aufgaben unserer demokratischen Gesellschaft, nämlich der politischen Willensbildung, nach, wird aber direkt beim kleinsten Fehltritt von der Öffentlichkeit und den Mitbewerbern zerfetzt. Ehrenamtliche Politik ist ein reines Selbstmordkommando, der politische Tod wartet an jeder Ecke und Fehler sind inakzeptabel. Da ist es häufig der einfachste Weg, die bekannten Superschurken vorzuschicken und zu hoffen, dass sie den Tag retten, oder halt dabei draufgehen.

Aber nicht nur in der Politik, sondern auch in vielen anderen ehrenamtlichen Bereichen, aber auch anderen öffentlich exponierten Positionen, begibt man sich zweifelsohne auf eine Selbstmordmission, wenn man versucht, wichtige und notwendige Aufgaben zu übernehmen. Personen des öffentlichen Lebens sind quasi permanent mit einem Sprengsatz an ihrem Genick ausgestattet, der von der Gesellschaft gezündet wird, sobald sie einen Fehler begehen. Auch hier gibt es zwei Möglichkeiten: entweder man ist Superschurke und hat nichts zu verlieren oder man ist Superheld und setzt alles auf eine Karte. Das Risiko für die Schurken ist wie immer geringer.

Die Frage, die wir uns stellen sollten, ist, ob wir von Superschurken repräsentiert werden wollen. Wollen wir weiter einen Druck aufbauen, der dazu führt, dass nur diejenigen, die nichts zu verlieren haben, auf die Selbstmordmission der öffentlichen Präsenz gehen oder wollen wir Helden, die aus Überzeugung und guten Absichten für die gute Sache kämpfen? Wie wir das schaffen, vermag dieser Artikel nicht zu beantworten. Dass wir aber darüber nachdenken sollten, welchen Umgang wir pflegen, kann ein Anfang sein.

Über den Autor

*1985, Dr. rer. nat. Biochemie, PostDoc in der medizinischen Grundlagenforschung


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