Partypatriotismus: Fußball meets Paranoia

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WM 2006: Deutschland-Fans in Dortmund - Stadt Dortmund - CC BY 2.0

 

Jedes mal, wenn eine wichtige internationale Sportveranstaltung ansteht bricht erneut die selbe Diskussion vom Zaum. Die Zeitungen beschäftigen sich mit dem Phänomen des sogenannten Partypatriotismus. Vornehmlich aus linken Kreisen ist dabei zu vernehmen, dass die schwarz-rot-goldenen Fahnenmeere eine Form des versteckten Nationalismus sind, der immer wieder bei sportlichen Großveranstaltungen, besonders den internationalen Fussballturnieren, zu Tage tritt. Die Kritiker dieses Phänomens argumentieren, dass diese vermeintliche Form des Nationalismus zu Ausgrenzung von Minderheiten innerhalb der Gesellschaft führe. Dies mutet allerdings ein wenig absurd an. Denn wieso sollten die zu tausenden versammelten vermeintlichen Nationalisten einer deutschen Nationalmannschaft zujubeln, die eine Migrantenquote aufweist, von der der öffentliche Sektor, respektive der privatwirtschaftliche Sektor nur träumen können? Wieso laufen die vermeintlichen Nationalisten mit Trikots von Spielern wie Sami Khedira, Mesut Özil oder Lukas Podolski durch die Straßen? Ist das das faschistoide Element, dass die Kritiker des “Partypatriotismus” anprangern?

 

Am wenigsten nachvollziehen kann ich allerdings, dass wenn es um die Unterstützung einer Nationalmannschaft geht, andere Maßstäbe gesetzt werden, als bei der Unterstützung der Fußballvereine. Ist es etwas anderes wenn sich die Ultras verschiedener Bundesligavereine gegenseitig mit Schmähgesängen überziehen, als die viel kritisierte Ausgrenzung anderer? Wo liegt der qualitative Unterschied zwischen Straßenschlachten, wie sie regelmäßig zwischen radikalen Fußballfans in den Ligen ausgetragen werden und den Straßenschlachten, die sich zum Beispiel in Marseille zwischen englischen und russischen Fans ereigneten? Nur weil das eine Konstrukt “Verein” und das andere “Nation” heißt, wohnt dem keine andere Dynamik inne. Es ist, so simpel das klingt, das Gleiche.

 

Ich kann in der radikalen Ultraszene auf jeden Fall mehr faschistoide Elemente identifizieren als auf den Fanmeilen bei EM und WM. Denn Ausgrenzung, Verachtung für andere und Gewalt sind zwischen den Ultras häufig sehr ausgeprägt. Doch hier bleibt solch öffentliche Kritik aus.

 

Nur weil die Straßen in den Nationalfarben erleuchten, begründet das noch lange nicht irgendeine ausgeprägte faschistoide Qualität. Dazu bedarf es mehr als nur ein paar Flaggen und Fangesänge.

 

Anders als vielleicht die ausschließlich in rechts-links Kategorien denkenden linken politischen Gruppierungen vermuten, wollen viele Menschen einfach nur der Mannschaft ihre Unterstützung signalisieren, die so sehr für das offene, liberale Deutschland steht, wie wenige andere Dinge in Deutschland. Denn die Begeisterung für diese Nationalmannschaft zeigt, dass die offene Gesellschaft von einem großen Teil der deutschen Bürgerinnen und Bürger getragen wird. Aber vielleicht leidet die politische Linke in Deutschland auch inzwischen einfach unter Verfolgungswahn. Man kann sich schließlich das ganze Leben schlecht reden. Ich für meinen Teil bleibe optimistisch und sehe die Begeisterung für unsere bunte Nationalmannschaft als Zeichen, dass ein Großteil der Gesellschaft völkische Ideen, wie sie in Deutschland durch Teile der AfD und die Identitäre Bewegung auf dem Vormarsch sind, ablehnt.

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