Lügenpresse – eine Begriffsanalyse

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Lügenpresse - opposition24.de - CC BY-SA 2.0

Bei PEGIDA wird ganz unverhohlen “Lügenpresse” skandiert, Frauke Petry, die Vorsitzende der Alternative für Deutschland, die keine Alternative ist, spricht von Pinocchiopresse um sich nicht direkt dem aus der NS-Zeit geliehenen Begriff zu bedienen. Die AfD geht sogar noch weiter und fordert auf ihren Wahlplakaten “Mut zur Wahrheit”.

Doch ist der Begriff Lügenpresse überhaupt haltbar?

Lügenpresse ist zu allererst mal ein Vorwurf. Diejenigen, die mit diesem Begriff operieren, werfen den Medien vor, sie würden ein verfälschtes Bild der Realität liefern. Ich will nicht abstreiten, dass man die Medien kritisieren kann und sollte. Die AfD ist nicht die einzige Partei, die sich über unausgewogene Berichterstattung beschwert. Die FDP fühlte sich, nicht zu Unrecht, vor der Bundestagswahl 2013 ebenfalls ungerecht behandelt.

Der Begriff Lügenpresse hat allerdings eine ganz andere Qualität als normale Medienkritik. Es ist die Unterstellung, bewusst die Unwahrheit zu verbreiten um eine bestimmte Wirkung zu erzeugen. Die Forderungen die man zuweilen von der AfD zu hören bekommt, drehen sich um eine objektive Berichterstattung. Doch ist eine solche überhaupt möglich? Oder ist es eine Forderung, die unmöglich zu erfüllen ist, weil Objektivität der Presse rein logisch gar nicht möglich ist?

Jeder Begriff hat auch einen Gegenbegriff. Der Gegenbegriff zur Lügenpresse muss die Wahrheitspresse sein. Hier stehen wir schon vor dem ersten Problem. Wahrheit ist der wohl subjektivste Begriff den es gibt. Denn Wahrheit wird immer vom Subjekt empfunden, ist also nicht abschließend objektiv definierbar.

Journalisten sind genauso Subjekte, wie jeder andere Mensch auch. Sie können durch die Begrenztheit des menschlichen Geistes nur einen Bruchteil der Welt wahrnehmen. Diese Wahrnehmungen stellen für Journalisten ihre Wahrheit dar. Von diesem Standpunkt aus berichten diese dann über die Medien an ihr Publikum. Diese Meldungen sind also immer die subjektive Einschätzung der Welt durch die Journalisten. Eine Wahrheitspresse als Gegenbegriff zur Lügenpresse kann es rein logisch also gar nicht geben, zumindest nicht unter der Voraussetzung des menschlichen Geistes. Denn um objektiv zu berichten, müssten Journalisten jeden Vorgang auf dem Erdball zu jeder Zeit kennen. Dass dies unmöglich ist, sollte klar sein. Wir sehen: Der Begriff Lügenpresse ist unhaltbar. Denn wer definiert die Wahrheit? Wer kann schon für sich in Anspruch nehmen, den Standpunkt der totalen Objektivität einzunehmen? Kann die AfD das mit ihrem “Mut zur Wahrheit”? Oder ist es eine Anmaßung, für sich die absolute Deutungshoheit in Anspruch zu nehmen? Ich glaube das Letzteres der Fall ist.

Was allerdings durchaus ein Problem ist, ist dass der Staat, der eigentlich der Neutralität verpflichtet ist, ebenfalls Journalismus betreibt. Dass dieser niemals objektiv und neutral sein kann, wurde weiter oben gezeigt. Dieses Problem gilt es anzugehen.

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