Die 3. Republikanische TV-Debatte – Ein Debakel

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TV-Duell GOP- Tv-Debatte - Erstes GOP TV-Duell – Sie müssen leider draußen bleiben Race for the White House 28th Edition
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Race for the White House 38th Edition

Marco Rubio ist der klare Gewinner der TV Debatte der letzten Woche. Doch es hätte auch anders kommen können, denn sein sehr finanzstarker und gut vernetzter Kontrahent aus Florida Jeb Bush verfolgt seit längerem das Ziel, seinen ehemaligen politischen Freund aus dem Rennen zu drängen, um Anfang 2016 die Rolle der Establishmentalternative zu Trump and Carson nicht an den jüngeren und rethorisch besseren Newcomer zu verlieren. Diese Strategie ist aber nicht aufgegangen und so gehört Bush zu den klaren Verlierern des Abends.

Diese dritte republikanische TV-Debatte, die in Colorado stattfand und von dem Wirtschafts- und Finanznachrichtensender CNBC ausgerichtet wurde, unterschied sich in vielen Faktoren von den vorangegangenen beiden TV-Debatten. Nicht nur, weil sie sich passend zum Gastgeber inhaltlich fast ausschließlich um wirtschaftliche und steuerliche Themen drehte. Vor allem die Moderatoren wurden nach der Debatte heftig für die  teils seltsamen Fragen, das undurchsichtige Regelwerk und die sehr arrogante Attitüde kritisiert. Zu Beginn gab es ungewöhnlicher Weise keine Eröffnungsrunde, in welcher alle Kandidaten ihre Positionen und Botschaften darstellen konnten, sondern sie wurden mit Hilfe einer seltsamen Bewerbungsgespräch-Analogie nach ihren größten Schwächen gefragt. Diese Herangehensweise war so verwirrend und unpassend, dass sie von den zehn Kandidaten auch weitestgehend ignoriert wurde.

Der erste Teil der TV-Debatte war vom Chaos und einer emotional aufgeladenen Stimmung geprägt, die Gouverneur John Kasch verursacht hatte, als er in einer 180 Grad Drehung in seiner Wahlkampfstrategie Carson und Trump in seinem aller ersten Satz direkt heftig anging. Die schlechte Stimmung, die von den dann folgenden heftigen gegenseitigen Attacken erzeugt wurde, wurde dann von den die Kandidaten ständig unterbrechenden und anherrschenden Moderatoren noch weiter angeheizt. Die Atmosphäre entspannte sich dann aber im weiteren Verlauf der zweistündigen Debatte.

Die Gewinner
Wie bereits eingangs erwähnt, ist Marco Rubio, der sich langsam aber stetig in den Umfragen nach oben bewegt und nun den bislang Drittplazierten Jeb Bush überholt hat, der Gewinner des Abends und liegt nun mit zwar mageren zehn Prozent in den Umfragen immerhin auf Platz 3. Chris Christie gehört ausnahmsweise dieses Mal auch zu den Gewinnern der Debatte, denn er lieferte den Moment der Debatte, als er eine absurde Frage der Moderatoren abschmetterte. Bush war gefragt worden, ob man Fantasy Football Leages regulieren sollte, als Christie eingriff und ein flammendes Pladoyer hielt, sich doch bitte mit den wichtigen Themen zu beschäftigen.

Die Verlierer
Bush und Kasich sind die großen Verlierer des Abends. Beide erfahrenen Politiker haben plötzlich ihre Strategie dramatisch verändert und sind zum direkten Angriff auf ihre Kontrahenten übergegangen. Kasich hatte in letzter Zeit immer wieder wiederholt, dass er Angst habe, dass die Republikaner am Ende einen Kandidaten nominieren würden, der keine Erfahrung habe und den Job einfach nicht könne. Eine deutliche und offensive Attacke auf Trump und vor allem auf den inhaltlich immer sehr schwach wirkenden Carson. Tump reagierte unmittelbar und machte Kasich ebenfalls Vorwürfe. Seine Angriffe seien nur Ausdruck der Verzweiflung seines Teams, dass er in den Umfragen einfach nicht nach oben komme. Kasichs Strategie ist aber vor allem deshalb nicht aufgegangen, da die Debatte sich dieses Mal nicht besonders auf Trump konzentriert hatte.

Wer die Gewinner und Verlierer dieser TV-Debatten sind, spielt aktuell nur noch eine sehr untergeordnete Rolle. Denn immer noch führen mit Carson und Trump zwei absolute Außenseiterkandidaten das Feld mit deutlichem Abstand an. Die entscheidenden Fragen für die republikanische Partei lauten: Kann sie sich hinter einem gemeinsamen Establishment-Kandidaten versammeln, wenn Carson oder Trump die Vorwahlen in Iowa tatsächlich gewinnen sollten, und kann dieser diese beiden Populisten dann tatsächlich besiegen? Wer könnte dieser gemeinsame Kandidat werden? Aktuell ist wohl Marco Rubio neben Jeb Bush am besten positioniert, um diese Positionen einzunehmen, sollten sich die republikanischen Vorwähler noch einmal besinnen.

Über den Autor

*1988, Betriebswirt, Schwerpunkte: USA, Wirtschaft & Politik


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