Wir brauchen den Freihandel – jetzt!

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Seit nunmehr zweieinhalb Jahren verhandeln die Europäische Union und die USA über das Freihandelsabkommen mit dem Namen Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP). Entstehen soll die größte Freiheitszone der Welt – ein wichtiger Baustein zu mehr Wettbewerb, Innovationen und letztlich zu mehr Wohlstand. Wohlstand entsteht nämlich vor allem durch Handel und Handel braucht größtmögliche Freiheit.

 

 

Zölle nützen niemandem – außer dem Staat

Ziel von TTIP ist es, Zölle und Handelsbeschränkungen zu senken und wenn möglich sogar komplett zu kippen. Durch den Abbau von staatlicher Regulierung können bürokratische Kosten für alle minimiert werden. Möchte ich beispielsweise Elektrogeräte aus den USA bestellen, muss ich derzeit ab einem Warenwert von 22€ zusätzlich noch die deutsche Mehrwertsteuer als Zoll abführen, ab 150€ kommen noch weitere produktspezifische Zölle hinzu. Gelingt es, diese Beschränkungen zu entfernen, habe ich als Verbraucher eine größere Produktvielfalt zu günstigeren Preisen.

Deutschland exportiert viele Güter – vor allem in der Industrie. Berechnungen des Institut der deutschen Wirtschaft Köln zufolge, können allein durch die fallenden Beschränkungen im Industriewarenhandel rund 3,5 Milliarden Euro eingespart werden. Gerade die kleinen und mittelständischen Unternehmen scheuen sich bisher noch davor, mehrere Produktvarianten mit unterschiedlichen Anforderungen an Sicherheit, Technik und Recht auf beide Märkte zu bringen, können durch die Harmonisierung von Standards massiv an Entwicklungskosten sparen.

 

 

Mehr besser bezahlte Arbeit

Schon jetzt hängen in Deutschland schätzungsweise 600.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt vom transatlantischen Handel ab. Durch TTIP wird es zu mehr Arbeitsteilung und eine Steigerung der Produktivität kommen, was in der Regel mit neuen Arbeitsplätzen einhergeht. Durch höhere Margen bei den Produkten, die im transatlantischen Handel verkauft werden, haben die Unternehmen auch größere Spielräume in ihren Bilanzen. Dies wird sich vor allem in neuen Arbeitsplätzen und besserer Bezahlung niederschlagen.

Zur Erinnerung: Der Mittelstand, das sind die, die 60% aller Jobs und 80% aller Ausbildungsplätze schaffen.

 

 

Wir leben bereits in einer riesigen Freihandelszone

Nach Ende des zweiten Weltkriegs wurde 1957 die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft gegründet, aus der 1992 die EG und dann 2009 die EU wurde. Auch innerhalb der damals noch sechs Gründungsstaaten, die über die Jahre auf zwölf Staaten innerhalb der EWG anwuchsen, ging es in erster Linie um die Abschaffung von Handelsschranken und Zöllen.

Die letzten 60 Jahre, waren die besten, die Europa je erlebt hat und das ist auch auf die Wirtschaftsgemeinschaft zurückzuführen. Es herrscht nie dagewesener Wohlstand, niemand muss in Europa verhungern und von Grenzen oder gar Krieg sind wir so weit entfernt, wie noch nie in der Geschichte des Kontinents. Freier Handel über Landes”grenzen” hinaus schafft Abhängigkeiten der Staaten und der Wirtschaft untereinander. Dies ist immer noch die beste Möglichkeit, um nationale Egoismen auszumerzen.

 

 

Freihandel – weil wir es können!

Warum haben wir eigentlich so große Angst vor TTIP? Wo ist unser Selbstbewusstsein, wenn wir es mal brauchen? Hat Frau Merkel es mit ihrem “Wir schaffen das!” zur Flüchtlingskrise komplett aufgebraucht?

Auch beim Freihandel sollten wir uns viel häufiger mal denken: “Wir schaffen das!”. Deutschland hat die besten Maschinenbauer, die besten Autobauer und tausende von ‘Hidden Champions’, die jeweils Weltmarktführer auf ihrem Gebiet sind. Wir leben von Fortschritt und Innovation, wir leben davon, Mut zu haben und uns durchzusetzen. Das werden wir auch im transatlantischen Freihandel schaffen!

Über den Autor

*1992, studiert Wirtschaftsinformatik, Schwerpunkte: Technik, Politik & Sport


3 Kommentare

  1. Matt Hias

    Es ist immer schön, wenn jemand, der Pro-TTIP schreibt, die vermeintlich deutschen Superlative aufführt und vollkommen außer Acht lässt, dass TTIP nicht nur zwischen Deutschland und den Staaten geschlossen werden soll. Was hat Griechenland von TTIP? Was Spanien? Sollen die Spanier noch günstiger ausländische Waren kaufen können und die Binnennachfrage noch weiter in den Keller gehen und damit die Arbeitslosigkeit weiter in den Himmel steigen?

    Außer Acht wird in einem bilateralen Freihandelsabkommen ebenfalls gelassen, dass Dritte dadurch auf die Ersatzbank geschoben werden und dadurch aktiv eine Schieflage entsteht, die gleichmäßiges globales Wirtschaftswachstum verhindert und den Ländern, die außen vorstehen, Hürden durch „Elitenbildung“ auferlegt.

    Erst recht unter Anbetracht des immer so hoch gelobten freien Marktes ersteint es oszön, einen Marktvorteil durch weitere Subventionen zu schaffen. Und was anderes als das soll die Abschaffung von Zöllen sein? „Zölle nützen niemandem außer dem Staat“ – doch wem nützt der Staat? Doch jedem Einzelnen. Denn er ist es, der Schieflagen vermeiden sollte, statt sie zu schaffen.

    Was für einen Preis müssen wir alle als –> global denkende Gemeinschaft zahlen, dass primär Unternehmen dadurch profitieren?

    Ich denke so leicht ist es nicht, einfach „TTIP jetzt“ zu fordern.

  2. Wem nutzen Zölle, nur dem Staat. Zölle sind ein wirksames Mittel zur Regulierung, so hätte Deutschland und die EU höhere Zölle für Waren aus China verlangen sollen. Die einst so hoch gepriesene Solarbranche ist durch, zwar nicht gleichwertige aber gleiche Produkte auch China, in die Knie gegangen genauso wie die Metallindustrie, und das sind nur zwei Beispiele. TIPP ist eine Chance für beide Staaten, ihre Industriestandorte zu sichern und zu expandieren, was wiederum Arbeitsplätze schafft und so den Staat festigt. Alle links-grünen Unkenrufen zum trotz, ist TIPP einen riesen Chance, wo die negativen Argumente untergehen und die positiven überwiegen.

  3. Markus Estermeier

    Zölle abschaffen? OK, aber glaubt jemand der Staat würde auf eine Einnahmequelle verzichten, ohne einen Ausgleich auf anderer Ebene zu finden?
    Investitionsschutz? In einem Rechtsstaat sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, den gesetzeskonformen Wert von Investitionen vor willkürlichen Gesetzesänderungen zu schützen. Ist es ein Eingeständnis daß wir es innerhalb der EU und den USA mit „Bananenrepubliken“ zu tun haben?
    Mit jedem einzelnen Verhandlungspunkt kann man dieses Frage- und Antwortspiel weiter führen. Unter ehrbaren Kaufleuten und ebensolchen Staatsführungen wären derartige Verträge nicht erforderlich. Betrüger und Gauner halten sich sowieso nicht an selbige.

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