Die RWE-Belagerung: Falsches journalistisches Tränendrüsengas

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Kohle - RWE - Energiewende - Tagbau - Aktivisten
Open coal mine Garzweiler II - Bert Kaufmann- CC BY 2.0

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen mit Erziehungsauftrag hat schon viel hervorgebracht: eine stets pseudo-kritische Caren Miosga, einen Rainald Becker der meint, wer keine Komplettüberwachung möchte, der solle sich „zu Hause hinter seinem Herd verkriechen“ und selbst einen weinenden Claus Kleber. Mit dem Kommentar über die Besetzung des RWE-Abbaugeländes ist allerdings endgültig die Grenze des Erträglichen überschritten.

Dem Zuschauer soll in diesem Falle unmissverständlich vermittelt werden, was Recht und was Unrecht ist und das auf eine möglichst eindringliche Weise. Bekanntermaßen wird ja bereits alles, was von grün-linker Seite als Umweltschutz bezeichnet wird, positiv rezipiert – schließlich meinen sie es ja nur gut und genau das scheint der öffentlich-rechtliche Rundfunk vermitteln zu wollen. Wozu sollen hier also noch die Hintergründe beleuchtet oder gar die tatsächlichen Ambitionen hinterfragt werden? Der Kommentar „Unangemessen und absurd“ des natürlich vollkommen unabhängigen und sachlichen Autors „Jürgen Döschner“, u.A. 2014 von Solarlobbyisten für sein Engagement ausgezeichnet, wurde von der Tagesschau an ein Millionenpublikum gestreut.

Er schreibt in einer Art Märtyrer-Hymne an die Aktivisten „Die Proteste im rheinischen Braunkohlerevier mögen nicht immer legal gewesen sein, aber sie sind angesichts der Ignoranz von Geld und Macht und angesichts der Bedrohung, die es abzuwehren gilt, völlig legitim“ auch „Hut ab! Die Klima-Aktivisten (…) verdienen Hochachtung und Respekt“. Was ist geschehen? Nun ca. 800 Demonstranten haben sich aus der eigentlichen Demonstration gegen die Braunkohlegewinnung entfernt, die polizeilichen Absperrungen durchbrochen und das Betriebsgelänge sowie einen Großbagger besetzt. Dabei kam es zu Übergriffen auf RWE-Mitarbeiter und Polizei, u.A. Angriffe mit Fäusten und Steinen – ein ganz klassischer Einsatz der friedlichen Gandhi-Strategie, wie man zweifelsohne merkt. Einige Bilder, die zeigen, dass große Steine genau in Kopfhöhe der Fahrer geworfen wurden, sind im Internet zu finden. Mehrere Stunden brauchte die Polizei um dem juristisch aller Wahrscheinlichkeit nach Haus- und Landfriedensbruch Herr zu werden. Der sogenannte ARD-Energieexperte stellt fest: „noch glaubt RWE, dieses Wandel (Energiewende) mit Schlagstöcken und Pfefferspray aufhalten zu können“. Es sei darüber hinaus „absurd“, dass RWE nun versuche die Aktivisten zu „kriminalisieren“. Ja … möchte der öffentliche-rechtliche Rundfunk mit diesen Worten jetzt tatsächlich die Straftaten legitimieren? Mit anderen Worten: Die Umsetzung des geltenden Rechts ist also für den ARD-Energieexperten absurd.

Wie „absurd“ wäre es denn, wenn plötzlich „Anti-GEZ-Aktivist_Innen“ den WDR stürmten und verwüsteten? Wäre dann der Kampf gegen die „Bedrohung“ durch „Geld und Macht“ in Form einer Zwangsabgabe auch eine legitime Form zivilen Ungehorsams? Wahrscheinlich nicht, dann wäre wohl auch der vollkommen sachliche und unabhängige Herr Döschner der Erste, der die 110 wählte und jeden mit drakonischen Strafen belegte, der sich nicht seiner ökologisch korrekten Meinung unterwerfen würde. Hut ab, bei dieser Bigotterie wird einem doch speiübel!

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10 Kommentare

  1. Ralf

    Danke, für die Klarstellung! Das wurde auch Zeit.
    Wie die Medien Tatsachen verdrehen um eine Meinung zu bilden habe ich in letzter Zeit häufiger mitbekommen dürfen.
    Leider springen zu Viele, zu schnell auf den „Zug“ auf ohne das komplette Paket an Informationen zu sichten.
    Viele Medien, viele Schreiber, viel „Meinungsmache“…der objektive Journalismus bleibt dabei auf der Strecke.
    Es wird geschrieben was gut ankommt.

  2. Liberal

    Heul, heul! Man hätte ja wenigstens Versuchen können die Argumention des Herrn Döschner zu verstehen und dann dagegen zu argumentieren. Schwaches geblubber!

  3. Wurzelkoch

    Gibt es Fotos von Steinwürfen?
    Mir sind nur die vom Hambacher Forst bekannt, die auf einen Angriff folgten, bei dem ein Bagger beinahe einen Aktivisten überfahren hätte, auf jeden Fall aber zu Fall gebracht hat. Ja, die gab es.
    Vielleicht ist die positive Berichterstattung des WDR auch darauf zurückzuführen, dass auch ein WDR-Team (und eine dänische Journalistin und ein kanadisches Presseteam) festgenommen wurden und teilweise stundenlang mit Kabelbindern gefesselt waren?
    RWE hätte besser daran getan, (so das Gerücht wahr ist) der Bitte der Polizei nachzukommen, den Tagebau einfach einen Tag stillzulegen…
    Jedenfalls waren die Journalisten unglaublich beeindruckt und haben mit feuchten Augen von der Aktion erzählt…
    Von entschlossenen Menschen, die nur Strohsäcke und ihren eigenen Körper aufwenden und sich auch von wahllos prügelnden Polizisten (Und Securitys, die sich für Polizisten halten) nicht einfach so aufhalten lassen.
    Ach ja, und trotzdem allen bekannt war, dass sich Sonntag Nacht Personen im Gleisbereich der Hambachbahn befanden, sind Züge gefahren, Aktivistis, die nicht im Gleisbereich waren, sondern die Seile der Kletterer schützen sollten (wenn die beschädigt werden, wird es schnell tödlich) von Securitys zusammengeschlagen. Was ist dagegen ein Faustschlag auf einen von Kopf bis Fuß gepanzerten Robocop?

    • Jürgen

      Friedlich bezeichnet also der WDR einen schweren Hausfriedensbruch mit Sachbeschädigung!?! Das bringt doch einen auf die Palme und man kann gar nicht glauben das sich meine Kinder im selben Sender die Sendung mit der Maus anschauen. Vielleicht kann da ja mal das Thema Recht und Gesetz behandelt werden.
      Herr Döschner hat hier mit seiner Berichterstattung meines Erachtens eindeutig über das Ziel hinaus geschossen und sollte sich lieber mit den Tatsachen auseinander setzen als seine eigenen Interessen zu verfolgen.
      Wer glaubt das der „zivile Ungehorsam“ friedlich zugeht, kann sich auch gerne mal bei YouTube das ein oder andere Video von sogenannten gewaltfreien Klinmaschützern ansehen.
      https://www.youtube.com/watch?v=GAm7QIyG-pM – ab der 2 Minute sieht man wie friedlich diese Personen sind!
      Ich habe meine Konsequenzen aus solch einer Berichterstattung gezogen und werde dem WDR den Rücken zu kehren. Nachrichten und Fernsehprogramme gibt es noch genug andere.

  4. thedj71

    Was geht denn jetzt? Da werden von so genannten Aktivisten Straftaten begangen und diese erwarten auch noch als Dankeschön den roten Teppich….Warum gehen die Aktivisten denn nicht nach Rußland oder China? (Die viel mehr die Umwelt zerstören) Angst vor Knast oder Zwangslager?

  5. Pingback: Warum wir die Braunkohle brauchen | Guns and Burgers

  6. Torsten

    Herr Döschner – öffentlich rechtlich großzügig mit Rundfunkgebühren alimentiert – bemüht und verbreitet über die Tagesschau mit elitärer Absolutheit des intellektuellen Gutbürgers undifferenziert stereotype linke und grüne Argmentationslinien.

    Einmal in Fahrt werden Straftaten als „legitim“ gebilligt, was für eine verantwortungsvolle journalistische Leistung mit Vorbildfunktion 🙂 ! So weit so schlecht ein Beispiel der aktuellen Mediemeinungsoligarchie, die andere Auffassungen als rückwärtsgewandt bekämpft und nach der Devise vorgeht
    : „Der (vermeintlich) gute Zweck heiligt alle Mittel“. Respekt für die Erfahrungen, Ideale und Vorstellungen Andersdenkender oder vielleicht sogar der Mehrheit der Bevölkerung sind bei diesen journalistischen Durchmaschierern glatte Fehlanzeige

    Die Hoffnung bleibt, dass Menschen anderer Meinung gegen den Medienmainstream und gegen Entscheidungsträger, die allein auf die veröffentlichte Meinung schielen, im Sinne gelebter Toleranz zunehmend im Internet ihre Meinung kund tun. Auf geht es !

  7. Andreas Brinck

    Wäre es so, wie Sie es schildern, könnte ich über den Standpunkt, den Sie vertreten nachdenken. Aber leider entspricht die Schilderung oben nicht der Wahrheit, sodass ich mich allen Ernstes frage, wie Sie darauf kommen, die Sachlage so zu verdrehen.

  8. Peter Steinhof

    Eine spannende Einschätzung der Aktivitäten.
    An manchen Ecken wäre doch trotz allem eine sachlich zutreffendere Berichterstattung wünschenswert – ansonsten fällt unserer Sache das alles noch auf die Füße.
    Beispielsweise wenn geschrieben wird „[bei der Garzweiler-Tagebaubesetzung] kam es zu Übergriffen auf RWE-Mitarbeiter und Polizei, u.A. Angriffe mit Fäusten und Steinen“ sollte doch ein Beleg-Link eingefügt werden. Das scheint sonst unseren Gegnern als Diffamierung, wenn dann als Beleg auf die Grünen Chaoten im Hambacher Forst verwiesen wird.
    Also: Ein Beleg würde mich freuen, dann streue ich diesen guten Text auch weiter.

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