„Der Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“ Carl v. Clausewitz

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Clausewitz
Challenger 2 Tank - UK Ministry of Defence - CC BY-SA 2.0

Der Ausspruch des Militärtheoretikers Carl von Clausewitz wirkt wie ein lächerliches Relikt aus einer Zeit, in der Krieg als normales Mittel der Politik galt und Konflikte in Europa noch in erster Linie, Konflikte zwischen Königen und Geschwistern waren.

Ich denke die Anzahl der Kriegstreiber und Befürworter einer aggressiven Politik ist in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen und dies ist auch gut. Ein Europa wie es das 20. Jahrhundert erlebt hat, darf sich niemand wünschen und wir glaubten es längst überwunden zu haben.

Dies mag vielleicht auch der Grund sein, warum wir in letzter Zeit kopfschüttelnd in den Osten Europas blicken. Mit einer Mischung aus Besorgnis und Ungläubigkeit sehen wir die Zeichen und fragen uns, ob wir nicht über Jahre an eine Illusion geglaubt haben. Russlands Bestrebungen den eigenen Einfluss und Machtbereich auszubauen mit Hilfe der eigenen Diplomatie und der Macht, die das Gas verleiht scheinen in den Augen des Kremls zu scheitern.

Da sich aber am Ziel Russlands, nämlich die Vormachtstellung im Osten gegenüber der EU und der NATO zu sichern, nichts geändert hat bleibt den Strategen im ehemaligen Zarenreich nichts weiter als auf andere Mittel zu setzten. Wir sehen also, das Clausewitz Satz nach wie vor eine tragische Aktualität besitzt.

Der Krieg ist also ein Akt der Gewalt, um den Gegner zur Erfüllung unseres Willens zu zwingen“ C. v. Clausewitz.

Lehnen wir uns in der weiteren Betrachtung an Clausewitz an.

Dieser Akt der Gewalt, und auch nur die Bereitschaft zur Gewalt, beinhaltet immer eine Wechselwirkung zwischen den Mächten. Der Kalte Krieg zeigte dies und auch die Entwicklung in der Ukraine zeigen es. Das Ziel eines Gewaltaktes ist die „Niederwerfung“ des Gegners um den Widerstand gegen den eigenen Willen und die eigenen Ziele zu brechen. Das Widerstandspotential des Gegners sieht Clausewitz in der „Größe der vorhandenen Mittel“ und „der Stärke der Willenskraft“. Was wir zurzeit im Umfeld der aktuellen Krise immer wieder erleben sind Tests der vorhandenen Kräfte der Gegenseite und der Demonstration eigener Stärke. Während Russland immer wieder mit provozierenden Manövern haarscharf die Grenzen der NATO testet demonstriert die NATO ihre Stärke mit einer Militärparade.

Im Mittelpunkt steht jedoch das Ziel der Bemühungen. Denn je bedeutsamer das Ziel für einen Konflikt Partnern ist, umso größer werden auch seine Bemühungen sein, dieses Ziel zu erfüllen. Wenn jedoch diese Seite nicht über genügend Kraftpotential besitzt um den Widerstand zu brechen, muss es – so Clausewitz – Frieden geben.

Auf die Situation in der Ukraine übertragen, würde das bedeuten: Während die Seite der Separatisten das Ziel verfolgt, eine Unabhängigkeit von der Ukraine zu erreichen, setzt die Regierung in Kiew alles daran, diese Bestrebungen zu beenden. Die Willenskraft der beiden Seiten lässt sich für Außenstehende nur schwer ermitteln – wir können jedoch davon ausgehen, dass sie auf beiden Seiten sehr hoch ist. Die potentielle Macht lässt sich jedoch feststellen und verändern.

Wie von mir vor einigen Wochen gefordert, sollte die Bundesregierung Waffen an die Ukraine und andere Staaten, die sich durch Russland bedroht fühlen liefern. Sollte die Ukraine in diesem Konflikt die Oberhand gewinnen, ist es möglich Druck auf die Separatisten auszuüben und sie so in den Verhandlungstisch zu holen. Dies kann erfolgen, wenn sie ihr eigentliches Ziel, die Abspaltung der Ukraine, in unerreichbarer Ferne sehen und die gänzliche Niederlage droht. Wenn dieser Zustand erreicht ist, lässt sich ein Frieden mit möglichen  Privilegien für die Regionen der Ostukraine verhandeln. Die territoriale Integrität  der Ukraine muss dabei jedoch gewahrt bleiben.

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