Zwischen Chance und Bürokratie

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Bürokratie
Seed Financing - Michael Heiss - CC BY-SA 2.0

Es ist mittlerweile fast selbstverständlich. Die neusten und innovativsten Unternehmen und Produkte kommen in der Regel aus Amerika, meist aus dem Silicon Valley. Doch was ist der Grund dafür? Warum scheinen trotz hohem Humankapital und niedrigen Scheiterungsraten von Startups in Deutschland die weltweit erfolgreichen Unternehmen immer aus den USA zu kommen? Hauptgrund dafür ist, die bei den Deutschen weniger stark ausgeprägte Gründermentalität. Die komfortable Situation als Arbeitnehmer wird meist dem hohen Aufwand und den anfänglich möglichen Einkommenseinbußen bei einer Neugründung vorgezogen.

Anders als beim durchschnittlichen US-Amerikaner steht bei den Deutschen die Sicherheit der Beschäftigung im Vordergrund. Für viele Bundesbürger stellt die Selbstständigkeit immer noch keine Alternative zur Anstellung dar, da sie große Risiken birgt bspw. das Scheitern des Startups. Dies wird in Deutschland nicht als Fehler gesehen, aus dem man lernen kann, sondern als Versagen der eigenen Person. Während in den USA nach dem ersten Misserfolg oft das nächste Unternehmen mit verbessertem Konzept und neuen Ideen gegründet wird, sucht man hierzulande, nach einem gescheiterten Startup, möglichst schnell den Weg zurück in das angenehme Dasein als Arbeitnehmer.

Die selbstbestimmtere Arbeit und der oft lukrativere Verdienst als Unternehmer rücken also bei der Entscheidung zur Gründung in den Hintergrund, stattdessen dominieren die Angst vor dem Scheitern des Unternehmens und die Bequemlichkeit. Daran muss sich etwas ändern! Gründer von Startups verdienen ein höheres Ansehen in der Gesellschaft, auch, oder vor allem die, die scheitern.

Neben einer guten Idee erfordert eine Gründung meist hohe Investitionen, doch wenn man seine Geschäftsidee nicht aus eigener Tasche finanzieren kann, ist es in Deutschland schwierig an Kapital zu kommen.

Private Investoren, ausgestattet mit sogenanntem Risikokapital , gibt es nur wenige, da diese oft (wen wundert’s) genauso sicherheitsfixiert sind, wie die deutschen Arbeitnehmer. In ein Startup mit einer innovativen Idee zu investieren, würde dagegen Risikobereitschaft erfordern.

Einen Kredit von der Bank zu bekommen ist oft schwerer, als man denkt. Möchte man ein Unternehmen mit bekanntem Konzept gründen, wie zum Beispiel eine Arztpraxis oder ein Beratungsunternehmen, und kann man dazu noch Sicherheiten aufweisen, hat man relativ gute Chancen auf einen Kredit. Wenn man aber eine wirklich neue und innovative Geschäftsidee, einen Disruptor hat, dann wird es schwierig. Die Banken finanzieren selten, wenn sie den Erfolg des Unternehmens nicht kalkulieren können.

Relativ neu ist das Konzept des Crowdfundings, welches (Überraschung) ebenfalls ein amerikanisches Konzept ist. Dieses bietet den Gründern die Möglichkeit, ihr Geschäftskonzept auf der entsprechenden Website vorzustellen und dort an Kapital zu kommen. Durchgesetzt hat sich das in Deutschland bis heute aber noch nicht wirklich.

Wünschenswert wären mutigere Investitionen, sowohl von privaten Investoren, als auch von Kreditinstituten. Noch ein weiteres Beratungsunternehmen wird Deutschland, meiner Meinung nach, nämlich langfristig nicht zu globalem wirtschaftlichen Erfolg verhelfen. Außerdem sollte Crowdfunding weiter ausgebaut werden, da so auch Privatpersonen mit kleinerem Budget die Möglichkeit haben in Startups zu investieren.

Wenn man sich erst’mal dazu durchgerungen hat, die sichere Anstellung aufzugeben und es geschafft hat, an Kapital zu kommen, folgt die nächste Hürde: Bürokratie. Die darf in Deutschland natürlich nicht fehlen. Um ein Unternehmen zu gründen, muss man dieses beim Gewerbeamt anmelden. Man muss sich ins Handelsregister eintragen lassen und das Finanzamt über die Gründung informieren. Branchenspezifisch kann der Bürokratiewahnsinn sogar noch schlimmer werden. Bei der Beschäftigung von Mitarbeitern sind außerdem Anmeldungen bei der Arbeitsagentur und der Berufsgenossenschaft notwendig. Verständlich, dass das alles potenzielle Gründer abschreckt!

Um die Gründungskultur in Deutschland anzuregen, müsste folglich dringend Bürokratie abgebaut werden. Wenn schon so viel Mühe in ein Unternehmen gesteckt werden muss, die noch nicht einmal etwas mit dem eigentlichen Geschäft zu tun hat, wird die Angst vor dem Verlust des Unternehmens noch größer.

Um das deutsche Gründungspotenzial, das ohne Zweifel vorhanden ist, auszuschöpfen, muss also noch einiges passieren:

  • Die Mentalität der Deutschen muss sich ändern. Die Aussicht auf Erfolg mit einer Gründung sollte immer über der Angst zu scheitern stehen.
  • Investoren müssen mutiger werden und auch in innovative Geschäftsideen investieren. Außerdem müssen alternative Finanzierungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel Crowdfunding, ausgebaut werden.
  • Da der Fiskus in Deutschland Kapitalerträge schon sehr stark besteuert, könnten an dieser Stelle Erleichterungen für Risikokapitalgeber einen großen Effekt haben.
  • Der Bürokratiewahnsinn muss aufhören!

Nur so kann eine gesunde Gründungskultur entstehen und nur so kann man daran glauben, dass die nächsten Innovationen , die die Welt verändern, aus Deutschland kommen.


Über den Autor

*1997, studiert Informatik, schreibt über Gott und die Welt.


2 Kommentare

  1. Winfried Nöth

    Was den Bürokratieabbau und das Investorenverhalten anbelangt, stimme ich Ihnen zu.
    Das sind in jeder Volkswirtschaft Pluspunkte für Unternehmensgründer.

    Die Mentalität eines Volkes zu ändern, dauert jedoch eine Weile.
    Und ist vielleicht auch nicht unbedingt erstrebenswert.

    Die erfolgreiche Emotionalisierung der früher so sachlichen Deutschen durch die Alt-68er
    sei hier als Beispiel genannt.

    Des weiteren ist m.E. die jetzige Mentaltät der Deutschen eng mit dem Erfolg der vorwiegend in
    deutschsprachigen Ländern anzutreffenden „Hidden Champions“ verknüpft.
    Ohne diese meist inhabergeführten Unternehmen hätten die Wirren der Finanz- ud Eurokrise sicher
    sehr viel mehr Schaden in Deutschland angerichtet.
    Durch hohe fachliche Qualifikation und geringe Fluktuation der Mitarbeiter wird eine evolutionäre
    Weiterentwicklung der Produkte favorisiert, die den Status als Technologieführer sicherstellt.
    Geringe Risikobereitschaft verhindert dagegen Experimente, die diesen Status gefährden könnten.

    US-Amerikaner oder Briten sind offenbar viel weniger bereit, für das Gefühl, Weltbester in
    einem begrenzten Gebiet zu sein, auf Gehalt oder andere offensichtlichere Statussymbole zu verzichten.

  2. Pingback: Die Rückkehr der Todessteuer – Teil 2 | Guns and Burgers

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